Die Verschwiegenheitspflicht des Pfarrers

"Beichten ist etwas Katholisches". So denken und sagen es viele evangelische Christinnen und Christen - und berufen sich dann darauf, dass Martin Luther deshalb die Beichte auch abgeschafft hat.

Dies ist historisch nur bedingt richtig. Denn in der Tat: Martin Luther hat die Pflichtbeichte abgeschafft, also den Zwang, regelmäßig zur Beichte zu gehen und seine "Sünden" bekennen zu müssen. Trotzdem stand er der Beichte positiv gegenüber. Er meinte: Beichten ist gut und sinnvoll - aber es soll freiwillig geschehen, und nicht unter Zwang. Von ihm ist bekannt, dass er regelmäßig und oft zur Beichte ging.

Trotz dieser feinen Unterscheidung ist die Beichte in der Ev. Kirche in Vergessenheit geraten. Nein - beichten gehen wir nicht. Und trotzdem: viele Menschen sehnen sich nach jemanden, mit dem sie unter vier Augen reden können, ohne dass er etwas weitersagt. Manchmal wäre es gut, jemanden zu haben, dem man seine Nöte, seine Probleme, auch seine Ängste anvertrauen kann - ohne dass man Gefahr läuft, dass er solche Gedanken verbreitet. Gerade in Situationen persönlichen Leides und persönlichen Drucks kann es gut sein, mit jemand reden zu können, der "von außen" kommt.

Deshalb genießt jeder Pfarrer das Privileg des "Beichtgeheimnisses". Was ihm - unter dem Siegel der Verschwiegenheit - anvertraut wird, darf und wird er unter keinen Umständen weitersagen. Selbst vor Gericht und vor der Polizei darf er die Aussage über Sachverhalte, die ihm in der Beichte anvertraut wurden, verweigern, ohne Konsequenzen dafür befürchten zu müssen. Deshalb können auch schwerwiegende Probleme und Nöte wie Mißbrauch, Abhängigkeit oder Gewalt, die einem angetan wird, mit dem Pfarrer besprochen werden.

Es ist wichtig, dass jeder Pfarrer ganz bewußt seinen Gemeindegliedern "Seelsorge" anbietet: in einem vertrauensvollen, privaten Gespräch darf man erzählen - und der Pfarrer hört zu. Man darf fragen - und der Pfarrer versucht zu antworten. Wer es wünscht, mit dem sucht der Pfarrer gemeinsam eine Lösung oder einen Ausweg aus den Problemen. Wer es nicht wünscht, der darf auch wieder gehen, ohne Angst davor, dass irgendetwas aus diesem Gespräch nach draußen dringt.

Falls Sie ein persönliches, vertrauliches Gespräch mit Pfarrer Palmer wünschen: bitte rufen Sie im Pfarramt an oder kommen Sie persönlich vorbei. Als Pfarrer verspreche ich: das Seelsorge- und Beichtgeheimnis ist mir heilig.