Ein kleiner Führer durch unsere Georgskirche

Der alte Wehrturm der Georgskirche

Ältester Teil der Georgskirche ist der mächtige Wehrturm, in dem sich heute die Sakristei befindet. 

 

Niemand weiß genau, wie alt dieser Turm ist, aber vermutlich war er schon vor vielen Jahrhunderten Zentrum einer Wehranlage, die wohl den Friedhof und das damalige Ortszentrum umschloss. Noch heute befinden sich die Schießscharten in den rund 1,5 Meter dicken Mauern und weisen auf die Vergangenheit des Kirchturms als Wehrturm hin. 

 

Viele Jahrhunderte lang hatte Sontheim keine eigene Kirche. Als Filiale des Hauptortes Brenz wurde der sonntägliche und oft auch werktägliche Gottesdienst dort gefeiert.

 

Erst nach der Reformation wurde die erste evangelische Kirche in Sontheim errichtet: man baute an den bestehenden Wehrturm ein kleines, einfaches Gotteshaus an, das dann im Jahr 1564 eingeweiht wurde.

 

Fast zwei Jahrhunderte wurden in dieser ersten Kirche Gottesdienste gefeiert - dann vermerkt der Visitationsbericht im Jahr 1716: "Kirche und Pfarrhaus haben des Bauens höchst vonnöten, massen (weil) jedes dem Einfall nahe".

Daraufhin beschloss die Sontheimer Bürgerschaft die Erneuerung der Georgskirche. Denn nach Sankt Georg, dem Nothelfer, war wohl schon die erste ev. Kirche benannt.

 

1717 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Das ganze Dorf arbeitete fleißig mit: die Bauern leisteten fleißig Fuhrdienste, die Handwerker arbeiteten beim Bau mit und selbst die Schulkinder reihten sich als Arbeiter ein - die Baurechnung berichtet, dass sie für ihre Dienste beim Dachziegeltransport 31 Maß Bier und jeder einen Kreuzer bekamen... Auch die immensen Baukosten in Höhe von 2975 Gulden brachte die Bürgerschaft durch eine Umlage auf.

Das herzögliche Banner mit dem Baudatum

Im Laufe von zwei Jahren harter Arbeit entstand die neue Sontheimer Georgskirche. Als Barockkirche ist sie eine Besonderheit in der näheren Umgebung im Unteren Brenztal, weil in dieser Zeit dort nur wenige Kirchen gebaut wurden. 

 

Das Datum der Einweihung lässt sich auf einem Spruchband über der Orgel erkennen: im November 1719 wurde die neue Kirche feierlich eingeweiht, aber bereits vorher wurden erste Gottesdienste dort gefeiert.

 

Das reich verzierte Spruchband ehrt den zu dieser Zeit regierenden Landesherren: E.L.H.Z.W.V.T.G.Z.M.H.Z.H. - "Eberhard Ludwig, Herzog zu Württemberg und Teck, Graf zu Mömpelgard, Herr zu Heidenheim".

 

Eines der drei Deckenfresken

Für die Innenausstattung der Kirche konnte Gottfried Enßlin aus Heidenheim gewonnen werden, ein in der Umgebung bekannter Hauptzoller und Maler, dessen Großvater die Michaelskirche in Heidenheim ausgestattet hatte. Er schuf die zahlreichen Fresken an den Decken und Brüstungen, die teilweise von reicheren Sontheimer Amtleuten gestiftet wurden. 

 

Auch die drei zentralen Fresken an der Decke wurden von Enßlin gestaltet. Sie zeigen die Auferstehung Christi, seine Himmelfahrt und die Herrlichkeit Christi beim Vater.

 

Ungewöhnlich sind die weiteren, einfarbigen emblematischen Deckengemälde, die der Künstler im 18.Jahrhundert anbrachte: sie zeigen Bilder zu lateinischen Sinnsprüchen, die man in einer Kirche eigentlich nicht vermuten würde. Dabei wechsen sich Spruchweisheiten und Gotteslob ab - bei Sätzen wie "Domini laus amplior orbe" (Das Lob des Herrn ist höher als der Erdkreis), aber auch "Felix connubium" (Die glückliche Ehe), "Es morte lucrum" (Sterben bringt Gewinn) oder "Semper parere parata" (Stets bereit zu dienen).

Zwei der Figuren der reich verzierten Kanzel

Ein Schmuckstück der Georgskirche ist die barocke, reich geschmückte Kanzel aus Nußbaumholz. Sie wurde von einem Bildhauer aus Günzburg entworfen und von Sontheimer Schreinern ausgeführt und zeigt an der Kanzelbrüstung ein halbes Dutzend wunderschön gestaltete Holzfiguren: die vier Evangelisten, Jesus und Johannes den Täufer. 

 

Sehenswert ist auch der schön verzierte Kanzeldeckel, den ein Engel mit Spruchband und Posaune schmückt: Die Aufforderung des Spruchbandes "Rufe getrost!" (nach Jesaja 58,1) ist noch heute Auftrag und Ermutigung zugleich für alle Prediger, die diese Kanzel besteigen.

Fresko an der Orgelempore mit Angabe der Stifterfamilie

Im Altarraum fällt das schön geschmiedete Gitter auf, das den Altar nach beiden Seiten hin abschließt. Während der Altar jüngeren Datums ist (er wurde erst bei der Kirchenrenovierung 1961 angeschafft), stammt das Altargitter aus der Bauzeit der Kirche - es wurde Anfang des 18.Jahrhunderts von Schlossermeister Christian Hiller aus Heidenheim gefertigt und ziert seitdem, nun schon drei Jahrhunderte lang, die Kirche. 

 

Seitlich im Altarraum befindet sich in einem kleinen Schaukasten eine Replik des alemannischen Goldblattkreuzes. Das Original dieses Kreuzes stammt aus dem 7.Jahrhundert und wurde in der Umgebung der Georgskirche (auf dem Hülenberg) gefunden. Es ist ein eindrückliches Zeugnis dafür, dass es schon im vorletzten Jahrtausend Christinnen und Christen im Unteren Brenztal gab.

Die Orgel der Georgskirche

Ebenfalls im Altarraum befinden sich zwei Bilder der Reformatoren Philipp Melanchthon und Martin Luther, die im 19.Jahrhundert angeschafft wurden. 

 

Die jetzige Orgel der Georgskirche ist jüngeren Datums. Sie wurde erst 1981 angeschafft - als vierte Orgel der Georgskirche nach den Orgeln von 1719, 1848/49 und 1912. In den 20 Registern, die in einem barocken Orgelprospekt untergebracht sind, befinden sich 1.356 Pfeifen. Im Jahr 2007 wurde die Orgel grundlegend renoviert.

 

Noch viele weitere Details lassen sich in unserer Kirche entdecken: die großen Emporen mit separatem Aufgang, die fünf Glocken mit ihrem wunderbaren Zusammenklang, oder die alten Fresken in der Sakristei. Sie laden ein zu einer eigenen Erkundungstour durch unser schönes Gotteshaus: "Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt" (Psalm 26,8).